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Full text of "Weitere Mittheilung über die auf Farnkräutern auftretenden Uredineen"

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P. Mat,nus: 


oh nicht auch bei den Pflanzen reizleitende Strncturen innerhalb des 
ProtO])lasten nachweisbar seien. 

Was mag nun die Function jener mächtigen fibrillär gebauten 
Plasmastränge sein? Wenn man mit II. DE VKIES in den Plasma- 
stroiniingoii wichtige Mulfsniittel für den Stofftransport in der Pflanzen¬ 
zelle erblickt, so kommt man aut* die \ r ennutliung\ dass hier Hin¬ 
richtungen im Dienste der Leitung plastischer Baustoffe vorliegen. 
Diese Möglichkeit ist übrigens schon von XeMEC erwogen worden. 


Erklärung der Abbildungen. 

Fig. 1—3. Pleromzelleu (junge Gefässglieder) aus der Wurzelspitze von Allium 
Cepn im lebenden Zustande. Reicheres Objectiv 9. 

4. Pleromzelle mit centralem fibrillären Plasmastrange. Chromessigsäure, 
Hämalanu, verdünntes Glycerin. Reicheres Objectiv für homogene Im¬ 
mersion 18/>. 

5. Desgleichen. Chroniessigsänre, Hämalanu, verdünntes Glycerin; Zeiss' 
Apochromatobjectiv für homogene Immersion 2,0 //??//, Apert. 1,30. 

r d. Langgestreckte Pleromzelle aus der Wurzelspitze einer im Warmhausc 
gewachsenen Pflanze. Pikrineisessigschwefelsäure, Safranin-Gentianaviolett, 
Canadabalsam. Reichert’s Objectiv für homogene Immersion 18 b. 

„ 7. Periblemzelle aus der Wurzelspitze. Pikrineisessigschwefelsäure, Hämalaun, 

verdünntes Glycerin. Ueichert’s Objectiv für homogene Immersion 18 b. 

8 und 9. Endzeilen von Schleimhaaren von Trariescantia zebrina im lebenden 
Zustande. Reicheres Objectiv 9. 


73. P. Magnus: Weitere Mittheilung über die auf Farn¬ 
kräutern auftretenden Uredineen. 

Mit Tafel XXXIII. 

Eingegangen am 26. December 1901. 


lu den Atti del Gongresso ßotanico Internazionale di Genova 1(892 
zeigte ich, dass Protomgees (?) filicinas Xiessl eine eigene Gattung 
repräsentirt, die ich Uredinopsis nannte. Später wies STÜRMER in 
den Botaniska Xotiser 1897) nach, dass auf Struthiopteris germanica 
eine zweite Art auftritt, die er Uredinopsis Strufhiopteridis Storni, 
nannte. DlETEL beschrieb diese Arten specieller in diesen Berichten 
1895, S. 326—331, lind fügte noch eine (hätte Art Uredinopsis Pteridis 
Diet. et Holway hinzu. 


Mittheilung über die auf Farnkräutern auftretenden Uredineen. 


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E. ROSTRUP stellte 1897 in «1er Botanisk Tidsskrift, 21. Bind, 
1. Hefte, S. 42, Uredinopsis Scolopendrii (Feld.) Rostr. auf, die er auf 
Blechnum Spicant in Dänemark beobachtet hatte, und zieht dazu die 
auf Scolopendrium officmale und Asplenium ruta vmraria auftretenden 
Uredo’s, nachdem SCHROETER sie unter dem Xamen Uredo Scolo- 
pendrii (Feld.) Schroet. in eine Art vereinigt hatte. Und 1899 tlieilt 
E. ROSTRUP in der Botanisk Tidsskrift, 22. Bind, 3. Hefte, S. 258 mit, 
dass er Uredinopsis ftlicina (Xiessl) Magn. auf Lastraeci spinulosa auf 
Bornholm gefunden hatte 1 ). 

Es war mir daher sehr interessant, dass Herr Lehrer \V. IvRIEGER 
in Königstein in Sachsen eine Uredo auf Aspidium spi?iulosu?n Sw. in 
«ler Sächsischen Schweiz in grösserer Ausdehnung antraf und sie in 
seinen Fungi saxonici unter Xd*. 85b als Uredo Scolopendrii (Feld.) 
Schroet. ausgab und sie unter demselben Kamen in RABENHORST- 
PAZSCHKE Fungi europaei et extra-europaei unter Nr. 4242 vertheilte. 
Auf meine Bitte sandte er mir wiederholt reichliches Material zu, 
wofür ich ihm auch hier noch meinen besten Dank ausspreche. 

Die Untersuchung des Pilzes ergab mir in mehrfacher Hinsicht 
unerwartete Resultate. 

Was zunächst die Uredolager betrifft, so zeigten sie einen den 
mir bekannten Uredo lagern von Uredinopsis- Arten sehr ähnelnden Bau. 
Sie bilden sich unter der Epidermis der Unterseite des Blattes Sie 
sind von einer geschlossenen Peridie oder Pseudoperidie (wie man 
es nennen will) umgeben, die sich am Scheitel punktförmig öffnet 
und die darüber gelegene abgehobene Epidermis sprengt (s. Fig. 1). 
Häufig öffnen sie sich auch unter einer Spaltöffnung (s. Fig. 2). Die 
Peridie wird gebildet von nach «lern Scheitel con\ergirenden Zell- 
reihen, deren unterste Zellen schlauchförmig verlängert, deren oberste 
Zellen kurz sind (s Fig. 1 und 2). Die untersten schlauchförmigen 
möchten den schlauchförmigen Zellen «ler Peridie von der Uredo der 
Uredinopsis filicina (Xiessl) P. Magn. entsprechen. Zwischen' den die 
Uredosporen abschnürenden Sterigmen wurden keine Paraphysen be¬ 
merkt (s. Fig. 1). Die Uredosporen selbst sind oval, mit wechselndem 
Verhältnisse der Länge zur Breite (s. Fig. 3 und 4). Durchschnitt¬ 
lich zeigten sie sich 29,9/4 lang und 17,3// breit. Die Uredosporen 
haben keine Keimporen und zeigen das bei den Uredosporen ge¬ 
wöhnliche warzige Epispor. Sie ähneln daher, wie gesagt, sein* den 
Uredolagern von Uredinopsis -Arten, wofür sie von ROSTRUP und 
IvRIEGER angesprochen wurden und unterscheiden sieh wesentlich 

1) Es sei hier noch mitgetheilt, «lass Komaiiov in Jaczewski, Komarov, 
Tranzschel: Fungi Rossiae exsiccati Nr. 278 eine in der Provinz Kirin in der 
Mandschurei auf Adiantum gesammelte Uredinopsis vertheilt und als neue Art Uredi¬ 
nopsis Adianti Kom aufgcstelit und beschrieben hat. 


1\ Magnus: 


;>so 

von <1 <mi auf Phegopterls Dryopteris und Cystopteris fragilis auftretenden 
Uredolagoru. zu dunen i<*li an Phegopteris Dryopteris und DlETEL 
später mi ('y stopf eris fragills Teleutosporen nachwiesen. dio denen der 
Gattung Melampsorella gleichen, und die ich daher in die Gattung 
Melampsorella stellte. 

Um so überraschter war ich, als ich auf dem im November mir 
zugesandten Aspidium spimdosiun die zu den beschriebenen Uredo- 
lagern gehörigen Teleutosporen auffand und dieselben denen der 
Gattung Melampsorella glichen. Sie werden wie bei Melampsorella 
intracellulär in den Epidermiszellen gebildet, und zwar, wie die 
Uredolager, nur an der Unterseite des Blattes. Das intercellular 
vegetirende Mycel. an dem ich niemals Haustorien beobachten konnte, 
durchbohrt die innere Wandung der Epidermiszellen der Blattunter¬ 
seite, und seine in die Epidermiszellen eingedrmigenen Enden schwellen 
in den Zellen zu den Teleutosporen an, die sich durch eine Scheide¬ 
wand abtrennen (s. Fig. G). Diese intracellularen Endzeilen zerfallen 
durch Längswände in vier bis acht und vielleicht noch mehr Zellen 
(s. Fig. a und 8). Diese intracellularen mehrfächerigen Teleutosporen 
haben eine farblose Wandung und zeigen somit den Charakter der 
SCHROET RE ‘sehen Gattung Melampsorella . wie ich ihn etwas erweitert 
habe in den Ber. der Deutschen Bot. Gesellseh., Bd. XVII (1899), 
S. 341, und in den Abhand 1. der Xaturhist. Gesellseh. zu Nürnberg, 
Bd. XIII. S. 19 und 20. Häufig wird nur eine Lage von Teleuto¬ 
sporen in einer Epidermiszelle gebildet. Aber nicht selten wird auch 
eine zweite Lage Teleutosporen unter der ersten in der Epidennis- 
zelle gebildet, die wenigstens zunächst niedrig bleiben (s. Fig. 7 und 9). 
Ob sie überhaupt auswaehsen und wann das geschieht, kann ich nicht 
angeben. Ich werde sofort davon sprechen, dass die Teleutosporen, 
wie die anderer Melainpsorellen, sogleich nach ihrer Keife keimen. 
Aber auch in solchen Epidermiszellen, wo die hohen Teleutosporen 
der ersten oder äusseren Lage schon alle gekeimt waren, sah ich 
niemals die niedrigen Teleutosporen der zweiten inneren Lage aus- 
wachsen. Sie ähneln sehr der inneren Lage von Teleutosporen, wie 
ich sie von Melampsorella Aspüliotus (Beck) P. Magn. 1895 in diesen 
Berichten Bd. XIII. S. 2SG beschrieben habe und sie auf Taf. XXIII, 
Fig. 3 —G abgebildet sind. 

Im Gegensätze zu dieser Melampsorella Aspidiotus und dem 
häufigsten Verhalten der Melampsorella Caryophyllacearum werden, wie 
schon erwähnt, die Teleutosporen überraschender Weise bereits im 
Herbste gebildet und keimen sofort nach ihrer Reife im Herbste. - 
Die Keimung bietet nichts Besonderes dar; sie ähnelt vollkommen 
der von Melampsorella Aspüliotus (Peck) P. Alagn. Am Scheitel der 
Teleutospore tritt ein schmaler Fortsatz auf, der die Aussenwandung 
der Epidermiszelle durchbohrt und aussen zu dem Promycelium an- 


Mittheilung über die auf Farnkräutern auftret enden rrediueen. 


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schwillt. Das Promyceliuin biegt sich nach der Epidermis und 
scheidet auf seiner convexen Aussenseite die S])oridien ab (s. Fig. 10). 
Ueber den ausgekeimten Teleutosporen sieht man sehr deutlich das 
Loch in der Aussenwandung der Epidermiszelle, das das hervor¬ 
sprossende Promycel beim Beginne der Keimung gebildet hatte (s. 
Fig. 9). und ebenso erkennt man dasselbe leicht von der Fläche. 

Die Teleutosporen füllen häufig das Lumen der Epidermiszelle 
ganz aus. und wird, wie schon erwähnt, sogar eine zweite Lage von 
Teleutosporen in einzelnen Epidermiszellen gebildet Aber oft treten 
auch nur einzelne Teleutosporen in einer Epidermiszelle auf (s 
Fig. 8), und nicht selten werden in den einen Epidermiszellen Te¬ 
leutosporen gebildet, während die benachbarten Zellen frei von ihnen 
bleiben (siehe z. B. Fig. 9). Im Allgemeinen kann in jeder Zelle 
Telentosporenbildung stattfinden, sogar in den Schliesszellen der 
Spaltöffnung, wie das z. B. Fig. 5 zeigt. 

Der Pilz stimmt in der Bildung seiner Uredolager und Teleuto¬ 
sporen in den wesentlichsten Zügen mit der typischen Melampsorella- 
Art, auf der die Gattung Melampsorella von SCHROETER begründet 
worden war, überein, und ist daher unbedingt in die Gattung Me¬ 
lampsorella zu setzen. Wie ist aber die Art zu benennen? 

De TONI giebt in SACCARDO Sylloge Fnngorum omni um hucusque 
cognitorum Yol. YII. p. 858 als Synonym zu Ureclo Polypodii (Pers.) 
DC. eine Ureclo Aspidii Poll. an. Ich habe im Giornale di Fisica, 
Chimica, Storia naturale, Mcdicina ed Arti compilato dal Dott. GAS- 
PARE BRUGNATELLI, Ton io IX (Pavia 1816), p. 182, und in C. POLLINI, 
Flora Veronensis, quam in Prodromum Florae Italiae septentrionalis 
exbibet (Verona 18*22—24), p. 731, gesehen, dass POLLINI seine Art 
„in stipite et in pagina inferiore frondis Aspidii fragüis ejusqne 
varietatis a WlLLDENUWIO vocatae Aspiclium Pontederae u angiebt, d. h. 
also auf Cystopteris fragüis. De TONI stellt daher, wie gesagt, mit 
vollem Reckte den POLLlNl’schen Xamen als Synonym zu Uredo 
Polypodii (Pers.) DC. Auch sonst habe ich keinen eigenen dieser 
Form gegebenen Xamen oder nähere Beschreibung in der Litteratur 
gefunden. 

Die Art ist daher als eine neue Art zu bezeichnen. Ich nenne 
sie Melampsorella Knegeriana P. Magn., zu Ehren des Herrn Lehrer 
W. KRIEGER in Königstein in Sachsen, der mit so grossem Erfolge 
die Pilzflora Sachsens erforscht hat und stets mit aufopferungsvoller 
Gefälligkeit mykologiscke Bestrebungen fördert. 

Von dieser Melampsorella Kriegeriana und von der Melampsorella 
Caryophyllacearum (DC.) Schroet. unterscheiden sich sehr auffallend die 
auf Phegopteris Dryopteris auftretende Melampsorella Aspidiotus (Peck) 
P. Magn. und die auf (ystopteris fragilis auftretende Melampsorella 
Polypodii (Pers.) P. Magn. durch ihre Uredolager und Uredosporen. 


P. Magnus: 


;>8-j 

Wie ieli in di(‘sen Berichten Bd. XIII (1895), S. 287 schon im Gegen¬ 
sätze zur Ureclo Scolopendrii (Feld.) Schroet. hervorgehoben liabe und 
1. e. auf Taf. 23, Fig. G und 7 abgebildet ist, sind die Uredolager der 
beiden letztgenannten Arten nicht von einer nur am Scheitel geöffneten 
Peridie umgeben, sondern ihre Sterigmen und Paraphysen liegen frei 
unter der aufspringenden Epidermis und sind am Rande von einem 
Walle von Paraphysen umgrenzt. Ferner sind bei ihnen die Uredo- 
sporen mit Keimporen versehen, während die Uredosporen von 
Melampsorella Kriegeriana , wie oben dargelegt, keine Keimporen 
haben. Ich kann daher diese beiden Arten nicht mehr als Glieder 
der Gattung Melampsorella betrachten und muss sie als Repräsentanten 
einer neuen Gattung ansehen. Ich nenne diese Gattung Hyalopsora 
(hyaliner Krätzepilz), zu der die zwei Arten Hyalopsora Aspidiotus 
(Peck.) P. Magn. auf Phegoptens Dryopteris und Hyalopsora Polypodii 
(Pers.) P. Magn. auf Cystopteris fragilis gehören. Meine Gattung 
Hyalopsora unterscheidet sich von der SCHROETER’schen Gattung 
Melampsorella vielleicht in etwas analoger Weise durch ihre Uredo, 
wie sich meine Gattung Schroeteriaster von der DlETEL’schen Gattung 
Phacopsora unterscheidet. Die beiden letzteren Gattungen stimmen 
auch in ihren Teleutosporeneharakteren nahe mit einander überein, 
während sie sich durch die Charaktere ihrer Uredolager so sehr 
von einander unterscheiden, dass ich im Gegensätze zu DlETEL 
Schroeteriaster in die Verwandtschaft von Uromyces ziehe, während 
Phacopsora eine echte Melampsoree ist. So könnte es sich vielleicht 
auch später heraussteilen, dass Hyalopsora mit ihrer von vielen 
Melampsoreen so abweichenden Uredo einer anderen Verwandtschafts- 
reilie angehört. 

Wenn ich daher zum Schlüsse versuche, Beziehungen der nahe 
verwandten Melampsoreen-Gattungen in Form einer Ableitung von 
der Gattung Pucciniastrum Otth zum Ausdrucke zu bringen, so soll 
damit nicht diese genetische Verwandtschaft behauptet sein. Dazu 
sind leider meine Kenntnisse noch zu lückenhaft. 

Bei der Ableitung der Gattungen einer Familie von einander 
hat man selbstverständlich meistens von den typischen in der Familie 
am meisten verbreiteten Formen zu den abweichenden Gattungen zu 
gehen. So sind bei den Uredineen — wenigstens in unseren Breiten — 
die intercellular gebildeten Teleutosporen mit meistens braun ge¬ 
färbter Membran das Häufigste, das Typische. Ich gehe daher unter 
den Melampsoreen mit mehrzelligen Teleutosporen von der Gattung 
Pucciniastrum Otth aus, die intercellular ihre mit braun gefärbter 
Membran versehenen Teleutosporen bildet. Ihre Uredolager sind von 
einer sich am Scheitel mit einem Ostiolum öffnenden Peridie umgeben. 
Von Pucciniastrum leiten sieh einerseits ab Thecopsora P. Magn. mit 
eben solchen Uredolagern und intracellular gebildeten gefärbten Te¬ 
leutosporen, und Calyptospora J. Kühn, mit eben solchen Teleutosporen, 


Mittheilung über die auf Farnkräutern auftretenden Uredineen. 


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aber ohne Uredolagev. Ausserdem unterscheiden sich beide Gattungen 
sehr bedeutend durch ihre Tracht, die durch den Ort und den Y\ uclis 
des die Teleutosporeu bildenden Mycels bedingt ist. Andererseits 
leitet sich von Pucciniastrum Uredinopsis ab, die ähnliche Uredolager 
und intercellnlare mehrzellige Teleutosporen mit farbloser Membran 
hat. Von Uredinopsis gelangen wir zu Melampsorella mit intracellular 
gebildeten mehrzelligen Teleutosporen mit farbloser Membran in ganz 
analoger Weise, wie wir von Pucciniastrum zu Thecopsora gelangt sind. 
Weit abseits von Melampsorella steht durch ihre abweichenden Uredo¬ 
lager die in den Teleutosporen mit Melampsorella übereinstimmende 
Gattung Hyalopsora. \\ ir werden also folgendes Bild haben: 

Melampsorella Hyalopsora 
Schroet. P. Hagn. 


Ca lyptospora 
J. Kühn 


Thecopsora 
P Maen. 


Uredinopsis p \[ a gn. 


Pucciniastrum Otth. 

Es soll dies, wie nochmals hervorgehoben sei, nur die Be¬ 
ziehungen der Gattungen zu einander andeuten, keineswegs ein Ur- 
theil über genetische Verwandtschaft enthalten. Man könnte z. B. 
auch Melampsorella direct von Thecopsora dadurch ableiten, dass die 
intracellular in den Epidermiszellen gebildeten Teleutosporen farblos 
werden. Es würde dann zwei Mal an verschiedenen Stellen der 
Schritt von der gefärbten Membran zu der farblosen Membran der 
Teleutosporen anzunehmen sein, während wir so zwei Mal den Schritt 
von der intercellularen zu der intracellularen Bildung der Teleuto- 
sporen sich vollziehen lassen. Nur die offenbar nahe Verwandtschaft 
der Melampsorella Kriegeriana zu den Uredinopsis -Arten der Farn¬ 
kräuter liess mich die gewählte Anordnung als Andeutung der Be¬ 
ziehungen der Gattungen zu einander den Vorzug geben. Auch könnten 
die morphologisch übereinstimmenden Arten der Gattung Melampsorella 
verschiedener Abstammung sein. So könnten die Melampsorellen der 
Farnkräuter von Uredinopsis abstammen, während Melampsorella Laryo- 
phyllacearum aus einer Thecopsora ähnlichen Art hervorgegangen sein 
könnte. 

Die 'beigegebenen Abbildungen hat Herr Dr. PAUL RÖSELEß 
bei mir nach der Natur gezeichnet. 


L. Wittmack und J. Kuciiwald: 


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Erklärung der Abbildungen. 

Sämmtliche Figuren stellen Melampsorella Kriet/eriana. P. Magn. auf Aspidium 
ttpinulosum Sw. vom Uttewalder Grunde in der Sächsischen Schweiz dar. 

Fig. 1. Längsschnitt des Uredolagcrs. Vergr. 420. 

2. Ansicht der Peridie des Uredolagcrs von oben. Vergr. 420. 

8 und 4. Einzelne Frcdosporen. Vergr. 420. 

5. Teleutosporenlager von der Fläche gesehen. Vergr. 420. 

G. Längsschnitt des migekeimten Teleutosporenlagers. Vergr. 120. 

7. Längsschnitt eines ungekeimten Teleutosporenlagers mit doppelter Lage 
von Teleutosporen in einer Epidermiszelle. Vergr. 7G5. 

„ 8. Epidermiszellen mit einzelnen ausgekeimten Teleutosporen von der Fläche 

gesehen. Vergr. 420. 

9. Längsschnitt des ausgekeimten Teleutosporenlagers. Vergr. 420. 

10. Drei ansgekeimteTeleutosporen mit ihren zum Theil über einander liegenden 
Promycelieu im Längsschnitte. Vergr. 7G5. 


74. L. Wittmack und J. Buchwald: Die Unterscheidung 
der Mandeln von ähnlichen Samen. 

Mit Tafel XXXIV. 

Eingegangen am 27. December 1901. 

In der Pharmacie wird schon längst das echte Mandelöl, welches 
aus süssen und bitteren Mandeln gewonnen wird, als „Oleum amyg- 
dalarum verunP* unterschieden von ähnlichen fetten Oelen, die von 
verwandten Samen herstammen (und den Namen „Oleum amyg- 
dalarum aus sogenannten PfirsichkerneiW führen). Letztere Oele 
werden bereitet aus Kernen, die unter dem Namen „Pfirsichkerne'* 
gehandelt werden, aber selten wirkliche Pfirsichkerne, öfter Kerne 
von Pflaumenarten bezw. -sorten oder Aprikosenkerne sind. So geben 
z. P). Hager, Fischer und Hartwich im Kommentar zum Arznei¬ 
buch für das Deutsche Reich, Berlin 1891, Bd. I, S. 270 an, dass die 
im Preise billigeren, unter dem Namen ,.Pfirsichkerne“ aus Süd- 
Russland und Ungarn in den Handel gelangenden mandelartigen 
Samen von Prunus nanu Jess. und Prunus persica Jess. stammen; 
ferner S. 272, dass die sogenannten „chinesischen Mandeln“ die ess¬ 
baren Kerne einer Aprikose sind. 

Das Arzneibuch für das Deutsche Reich 1900, S. 259 giebt eine 
einfache und sichere Methode an, beide oben genannten Oele nach 
ihrem Ursprung zu unterscheiden: